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Römer am Niederrhein und in Westfalen

Die Römerroute führt aus einer ehemaligen römischen Stadt – Colonia ulpia Trajana, so hieß das heutige Xanten ab dem ausgehenden 1. Jh. n. Chr. – am Niederrhein in diejenigen Orte Westfalens, die unter Kaiser Augustus bei dem Versuch der Eroberung Germaniens als römische Militärstandorte dienten.

Aber auch die colonia hat eine frührömische Vergangenheit, nämlich castra vetera, gegenüber der damaligen Lippemündung in den Rhein am Südhang des Förstenbergs in der Nähe des heutigen Stadtteils Birten. Vetera war der zentrale Stützpunkt – wie Mainz im Süden – von dem aus der Vorstoß der Römer ins Lippetal begann. Castra vetera – der Name ist bei Tacitus überliefert – wurde 13/12 v. Chr. gegründet und im Frühjahr 70 n. Chr. zerstört. Das sogenannte Lager vetea II, 71 n. Chr. bei der Reorganisation der Rheinarmee gegründet, liegt heute teilweise in 10 m Tiefe in einem Baggersee.

Etwas anders verhält es sich mit den Römerlagern auf westfälischem Boden. Bei einem ersten Vorstoß der Römer zwischen 12 und 8 v. Chr. war wohl das Doppellegionslager von Oberaden militärischer Mittelpunkt. Aber auch in Holsterhausen und wahrscheinlich in Haltern wurden Spuren von Feldlagern aus dieser Phase der Feldzüge entdeckt. Nach Abschluss dieser Kampagne wurden die Lager planmäßig von den Römern geräumt. Besonders in Oberaden konnte nachgewiesen werden, dass die Römer die Gebäude angezündet und die Brunnen vergiftet hatten.

Aus nicht bekannten Gründen brach im Jahre 1 n. Chr. in Germanien ein Aufstand aus, der in der Folgezeit zu heftigen kriegerischen Auseinandersetzungen führte. Hauptvormarschlinie war wieder das Lippetal, die militärischen Stützpunkte dieser Zeit befinden sich demnach auch alle an der Lippe: Holsterhausen, Haltern und Anreppen. Über die Lippe dürfte auch der Hauptversorgungsweg für die römischen Legionen geführt haben – per Schiff also. Sie bot die Möglichkeit, die vorrückenden Legionen sicher und schnell mit allem Notwendigen zu versorgen. Wie Ausgrabungen in Haltern gezeigt haben, dürfte parallel zu ihr eine Heerstraße verlaufen sein. In Holsterhausen haben Archäologen mittlerweile 8 Marschlager ausgegraben, die die Bedeutung dieses Platzes an der Lippe in der Zeit von 12 v. Chr. bis 16 n. Chr. deutlich werden lassen.

Das ca. 20 km lippeaufwärts gelegene Haltern beherbergt die wichtigsten und auch am besten erforschten militärischen Anlagen aus der Zeit des Kaisers Augustus. Hier sind mehrere Militärlager, Uferkastelle mit Bootshäusern sowie die zugehörige Gräberstraße bekannt. Der römische Standort Haltern hatte sich vermutlich kurz vor seinem Ende zu einem Hauptort in der neu zu errichtenden Provinz entwickelt. Wahrscheinlich sollte von hier aus das eroberte Land endgültig romanisiert werden. Das am Oberlauf der Lippe gelegene Lager von Anreppen hatte seine besondere Bedeutung im Bereich der Logistik. Große Speicherbauten sollten den römischen Truppen den Vorstoß von hier aus an die Elbe ermöglichen.

Mit dem Verlust von 3 Legionen mit Tross und Hilfstruppen in der „Varusschlacht“ des Jahres 9 n. Chr.  war der römische Eroberungsversuch erst einmal gescheitert.
Erst einige Jahre später, nachdem die Rheingrenze durch neue Truppen und Befestigungen gesichert war, führte Germanicus zwischen 14 und 16 n. Chr. erneut römische Truppen nach Germanien, um die erlittene Schmach wieder gut zu machen. Nach drei Jahren mit vielen Kämpfen und schweren Verlusten wurde er von Kaiser Tiberius wieder abberufen – die römischen Truppen zogen sich endgültig auf die linke Rheinseite zurück. Den Spuren, die diese Ereignisse hinterlassen haben, sind knapp 2000 Jahre später zunächst die Archäologen gefolgt und heute die Radwanderer auf der Römerroute.

 
 
 


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