Bis auf Xanten waren die Orte, die durch die Römerroute verbunden werden, während der Eroberungsfeldzüge unter Kaiser Augustus von römischem Militär besetzt oder wurden davon berührt. Und natürlich entwickelte sich in den römischen Militärlagern eine andere Kultur als in einer zivilen Stadt. Die Legionäre lebten zunächst in provisorisch angelegten Feldlagern in Zelten. In der nächsten Ausbaustufe wurden diese Militärlager mit Holz-Erde-Mauern befestigt und mit festen Häusern in Fachwerkbauweise bebaut. Diese waren teilweise luxuriös ausgestattet und boten zumindest den höheren Offizieren alle Annehmlichkeiten, die diese von zu Hause her gewöhnt waren. Die römischen Truppen waren in vielen Bereichen auf Selbstversorgung angewiesen. Tausende von Menschen mussten mit Lebensmitteln und Ausrüstung, Waffen, Gerät und den alltäglichen Dingen versorgt werden. Deswegen hatte jede Legion eine große Anzahl von Handwerkern und Spezialisten in ihren Reihen. Dazu gehörten u. a. Waffenschmiede, Stellmacher, Tischler, Maler, Schuster, Zeltmacher, Sattler, Töpfer und Metzger.
Diese Handwerkerleistungen mussten mit Bargeld bezahlt werden. Der einfache Legionär erhielt einen Grundsold von 225 Denaren, der über das Jahr verteilt in drei Raten ausgezahlt wurde. Davon musste er seine Nahrungsmittel bezahlen, auch seinen Wein, seine Kleidung und seine Ausrüstung. Viele Legionäre konnten lesen und schreiben. Häufig waren ihre Namen zur Besitzkennzeichnung im Geschirr eingeritzt. Briefe und kurze Notizen wurden mit einem Stift in kleine, mit Wachs ausgestrichene Holztafeln geritzt. Diese hatten auch den Vorteil, dass Textänderungen und Korrekturen schnell durchgeführt werden konnten. Auf die Gesundheit des einzelnen Soldaten wurde größter Wert gelegt, hatte der Staat doch große Summen in seine Ausbildung gesteckt. Wo Tausende von Menschen auf engem Raum zusammenleben mussten, war Hygiene oberstes Gebot, um ansteckende Krankheiten und Seuchen zu vermeiden. Dafür war eine funktionierende Frischwasserversorgung und Abwasserentsorgung unabdingbar.
In den Städten wie auch in den Militärlagern wurden dieselben Götter verehrt, die kapitolinische Trias – Jupiter, Juno und Minerva – aber auch Mars und Viktoria. Es gab eine Fülle religiöser Festtage, die ja auch das in der Antike nicht bekannte arbeitsfreie Wochenende ersetzen mussten. In der Armee kamen als wichtige Festtage der Geburtstag des Kaisers und der Jahrestag der Weihung des Legionsadlers hinzu.
All diese Errungenschaften der städtischen Kultur brachten die römischen Soldaten mit sich auf ihren Feldzügen in Germanien. Als nach der Varusschlacht der Rhein wieder die Grenzlinie zu den Germanen wurde, war damit zunächst auch einmal die Verbreitung der römischen Kultur zu Ende. |